Gleichberechtigung in Schweden

Schweden ist in Sachen Gleichberechtigug weltweit führendDer Gleichheitsgedanke ist in den Köpfen der meisten Schweden fest verankert und vielerorts spürbar. Er besagt, dass jeder die gleichen Rechte, Pflichten und Chancen hat, ungeachtet von Geschlecht, Religion oder Hautfarbe. Da verwundert es nicht, dass die Gleichstellung der Geschlechter in Schweden im weltweiten Vergleich mit am weitesten umgesetzt ist. Im Global Gender Gab Report von 2012 hat das Land in dieser Kategorie mit am besten abgeschnitten. Dies liegt zu einem großen Teil an Schwedens umfassendem Sozialsystem, das jedem Bürger umfangreiche Gesundheits- und Sozialleistungen zusichert. Davon profitieren vor allem Familien mit Kindern: Eine Elternzeit wurde bereits im Jahr 1974 eingeführt, als es in Deutschland noch eine kleine Sensation war, wenn eine Mutter einem Beruf nachgehen wollte. Jedes Kind ab einem Alter von 12 Monaten hat in Schweden einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Ein Kindergartenplatz darf dabei nicht mehr als umgerechnet 130 Euro monatlich kosten. Einige Kindergärten sind sogar 24 Stunden geöffnet – perfekt für Eltern, die im Schichtbetrieb arbeiten oder auch für Alleinerziehende. Für ältere Kinder gibt es Ganztagsschulen.

Deshalb ist es für schwedische Eltern in der Regel kein Problem, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Zum Vergleich: Etwa  80% der Schwedinnen arbeiten in Vollzeit. In Deutschland ist es nur etwa die Hälfte. Da die Babypause, im Gegensatz zu Deutschland, für Frauen kein Risiko ist, kommen dort auch mehr Babys zur Welt: Die Geburtenziffer (Anzahl  der Lebendgeborenen pro Jahr auf 1.000 Einwohner) liegt in Schweden bei 10,24, in Deutschland bei 8,33. Natürlich müssen all diese Sozialleistungen auch finanziert werden. Deshalb ist die Steuerlast in Schweden im internationalen Vergleich relativ hoch. Dies wird von den Schweden aber nicht als Anlass für politische Diskussionen verwendet. Das Thema Steuersenkungen wird in der Politik und in der Bevölkerung kaum noch diskutiert.

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming beschreibt das Bestreben der Politik, die Gleichstellung der Geschlechter nicht durch einzelne Maßnahmen zu erreichen und sicherzustellen, sondern umfassende Schritte zu unternehmen, die Gleichstellung zu verbessern. In Schweden veröffentlicht die Regierung zu ihren diesbezüglichen Bemühungen jedes Jahr einen Bericht. Im Großen und Ganzen sollen drei Maßnahmen für die Gleichstellung der Geschlechter Sorge tragen: Alle offiziellen Statistiken werden nach Geschlechtern aufgeteilt, Minister, politische Berater, leitende Beamte und Pressesekretäre nehmen an Schulungen zum Thema Gleichstellung der Geschlechter teil und alle Enquete-Kommissionen der Regierung berücksichtigen die geschlechtsspezifische Perspektive in ihren Untersuchungen.