Sozialversicherung

Sozialversicherung in Schweden - die wichtigsten InformationenDamit Arbeitnehmer, die im Laufe ihres Erwerbslebens in verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU erwerbstätig sind, keine Nachteile erleiden, wurden zwischen den EU-Staaten verschiedene Vereinbarungen getroffen, die sich auf Leistungen der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung, der Unfallversicherung und andere Familienleistungen beziehen. Damit wird sichergestellt, dass keine Sozialversicherungsbeiträge und andere erworbenen Rechte verloren gehen. Jeder Mitgliedsstaat zahlt danach die Rente, die durch die dortigen Versicherungszeiten erworben wurde. Sobald Sie in Schweden einen Arbeitsvertrag unterschreiben, unterliegen Sie somit den dortigen Regeln zur Sozialversicherung. Davon ausgenommen sind Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber befristet in einen anderen Mitgliedsstaat versetzt werden. Diese bleiben zunächst im Heimatland sozialversicherungspflichtig. 

Um rechtsverbindliche Aussagen zu erhalten, richten Sie sich bitte an Ihre Krankenkasse und den für Sie zuständigen Rentenversicherungsträger.

Sozialversicherung in Schweden

Jeder, der in Schweden lebt oder arbeitet unterliegt auch der dortigen Sozialversicherungspflicht. Die schwedische Sozialversicherung (Almänna Försäkringskassa) umfasst Kranken-, Eltern-, Invaliditäts-, Renten- und berufliche Unfallversicherung. Die Sozialabgaben werden ähnlich wie in Deutschland direkt als Gehalts-Abzüge vom Arbeitgeber bzw. zusammen mit der Einkommenssteuer bezahlt. Diese Sozialabgaben finanzieren beispielsweise das Krankengeld für schwedische Arbeitnehmer, Wohngeld und Elterngeld. Wer neu in Schweden lebt, sollte sich zeitnah, am besten sobald die persönliche Personennummer zugeteilt wurde, bei der zuständigen Sozialversicherung melden.

Eine gesetzliche Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland gibt es in Schweden nicht. Die meisten Schweden zahlen jedoch in die freiwillige Arbeitslosenkasse ein, entweder automatisch, falls sie Mitglied einer Gewerkschaft sind, oder auf freiwilliger Basis. Wer in die schwedische Sozialversicherung einbezahlt, ist automatisch krankenversichert. In Schweden fallen bei Arztbesuchen jedoch generell Gebühren bzw. Selbstbeteiligungen an. Zahnarztkosten müssen ab dem 20. Lebensjahr komplett selbst bezahlt werden. Auch rezeptpflichtige Medikamente werden generell nicht von der Krankenversicherung übernommen. Die Kosten für rezeptpflichtige Medikamente sind jedoch gesetzlich gedeckelt. Die maximalen Ausgaben betragen jährlich 1.800 schwedische Kronen, höhere Kosten müssen nicht übernommen werden. Für eine Behandlung in einem Gesundheitszentrum wird eine Gebühr in Höhe von 100 bis 150 schwedischen Kronen erhoben. Die Selbstbehalte für Facharztbesuche sind höher. Für stationäre Behandlungen müssen 80 schwedische Kronen je Krankenhaustag bezahlt werden. Innerhalb eines Jahres betragen die Gebühren für Arztbehandlungen höchstens 900 schwedische Kronen. Wer diesen Betrag erreicht hat, wird für den Rest der Jahresperiode ab dem ersten Arztbesuch kostenlos behandelt. 

Wer in Schweden krank wird, hat, sofern das Arbeitsverhältnis davor mindestens einen Monat bestand, zunächst bis zu 14 Tage Anspruch auf Lohnfortzahlung. Danach greift der Anspruch auf Krankengeld. Dieses wird Arbeitnehmern nach einem Karenztag, für den keine Leistungen ausbezahlt werden, bezahlt. Selbständige können für sich eine leistungsfreie Zeit zwischen drei und 30 Tagen wählen. Die Höhe der Tagessätze beträgt in der Regel 80 Prozent des letzten Gehalts. Sie ist jedoch gestaffelt und richtet sich nach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, die Leistungen können also auch geringer ausfallen.

Krank in Schweden

Handelt es sich nicht um einen Notfall, nehmen Schweden häufig die telefonische medizinische Hilfe in Anspruch, da hierfür keine Gebühren anfallen. Unter der Telefonnummer 08/320100 sind rund um die Uhr Krankenschwestern und Ärzte erreichbar. Niedergelassene Arztpraxen sind in Schweden eher unüblich. Wer krank ist, geht nach telefonischer Anmeldung in die nächste Behandlungszentrale. In diesen medizinischen Zentren befinden sich sowohl Allgemein- und Fachärzte als auch Krankenschwestern. Für eine Behandlung in einem Gesundheitszentrum wird eine Gebühr in Höhe von 100 bis 150 schwedischen Kronen erhoben. Die Selbstbehalte für Facharztbesuche sind höher. Für stationäre Behandlungen müssen 80 schwedische Kronen je Krankenhaustag bezahlt werden. 

Handelt es sich um einen Notfall, kann man entweder den Notruf 112 wählen oder sich selbst auf den Weg in die nächste Notaufnahme machen. Die Behandlungskosten müssen von Touristen oft direkt an Ort und Stelle beglichen werden. Wichtig ist, sich eine Bescheinigung über die erfolgten Behandlungen und die Kosten geben zu lassen, um dies später mit der Krankenkasse abrechnen zu können. 

Rentenversicherung in Schweden

Das schwedische Rentensystem basiert auf einer Art Einheitsrente, die das Rentennivau aller Rentenempfänger anzugleichen versucht. Wer im Laufe seines Erwerbslebens über ein durchschnittliches Einkommen verfügte, bekommt etwa 50% des letzen Lohns oder Gehalts als Rente. Wer sehr gut verdiente, erhält dagegen einen deutlich geringeren Prozentsatz. Auch Personen ohne Einkommen erhalten eine Rente. Hier kommt auch wieder der Gleichheitsgedanke der Schweden zum tragen. Da das Rentenniveau von 50% für einen Normalverdiener sehr gering ist, schließen viele Schweden zusätzlich private Rentenversicherungen ab oder nehmen an rentenbildenen Maßnahmen teil, die viele Arbeitgeber anbieten.

Wer im Alter zum Pflegefall wird, wird in Schweden sehr gut versorgt. Hier gilt der Grundsatz, dass man den Lebensabend in Würde und möglichst selbstbestimmt verbringen sollte und aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt sein soll. Die gesamten Kosten für die Pflege zuhause, die Unterbringung in einem Pflegeheim und die notwendige medizinische Versorgung werden für Rentner von der zuständigen Kommune übernommen. Wie auch behinderten Menschen wird alten Menschen bei Bedarf ein persönlicher Assistent zugewiesen, der diese bei Aufgaben, die sie selbst nicht mehr bewältigen können, unterstützt. So können die Menschen auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben und den Alltag mit so wenig Hilfe wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig selbst bewältigen. In Schweden ist es deshalb für Alte üblich, so lange wie möglich im eigenen Zuhause zu bleiben. Eine Unterbringung in einem Altenheim kommt erst dann in Betracht, wenn eine Vollzeitpflege notwendig ist. Die Betreuung in den Altenheimen ist in Schweden meist sehr gut.

Arbeitslosenversicherung

Eine Grundsicherung gegen Arbeitslosigkeit bietet die schwedische Sozialversicherung (Alfa-Kassa). Da das durch sie ausbezahlte Arbeitslosengeld aber sehr gering ausfällt, versichern sich die meisten Schweden noch über die in Schweden sehr starken Gewerkschaften gegen Arbeitslosigkeit (A-Kassa). Um Mitglied einer gewerkschaftlichen Arbeitslosenversichderung zu werden, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden: durchschnittlich 17 Wochenarbeitsstunden während vier Wochen, in einem Zeitraum vom fünf aufeinanderfolgenden Wochen

Um einen Anspruch auf Arbeitslosengeld aus der A-Kassa zu haben, muss man zwölf Monate Mitglied darin gewesen sein und in dieser Zeit mindestens 480 Stunden in einem zusammenhängenden Zeitraum von sechs Monaten gearbeitet haben. Das Arbeitslosengeld wird nach Ablauf der Karenzzeit von fünf Tagen für bis zu 300 Tage bezahlt. Wer arbeitslos wird, muss sich, wie auch in Deutschland, unverzüglich beim Arbeitsamt melden. Vom Arbeitsamt wird diese Meldung dann an die Arbeitslosenversicherung weitergegeben.

Schwedische Krankenversicherung

Die schwedische Krankenversicherung wird über die Einkommenssteuer finanziert. Versichert ist grundsätzlich jeder Einwohner. Wer einen Arzt aufsucht muss eine Art Praxisgebühr bezahlen, die bis zu etwa 35 Euro betragen kann. Medikamente müssen nur bis zu einem jährlichen Höchstbetrag bezahlt werden, danach ist man von einer Zuzahlung befreit. Das schwedische Gesundheitssystem gilt als überlastet. Wer nicht unbedingt einen Arzt braucht versucht Arztbesuche deshalb zu vermeiden. Einen Termin für eine Operation oder bei einem Facharzt bekommt man oft erst nach monatelanger Wartezeit. Bei Notfällen sollte aufgrund der langen Verkehrswege und der häufig recht langen Zeit, bis ein Notarzt vor Ort sein kann, nach Möglichkeit versuchen selbst ein Krankenhaus aufzusuchen.

Bei Zahnbehandlungen zahlt die schwedische Krankenkasse nur das absolute Minimum. Wer also eine Zahnbehandlung braucht, muss mit recht hohen Zuzahlungen rechnen, das kann für eine Füllung schon einmal bis zu 200 Euro kosten. Bezahlt wird vor der eigentlichen Behandlung. Zwar gibt es auch in Schweden Zahnzusatzversicherungen, doch sind diese mit recht hohen Beiträgen verbunden.

Wer krank ist, muss dies seinem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen. Ein ärztliches Attest ist vorzulegen, wenn die Krankheit länger als eine Woche dauert. Im Krankheitsfall muss der Arbeitgeber den Lohn oder das Gehalt nach einem Karenztag, für den es kein Geld gibt, für 14 Tage weiter bezahlen (Voraussetzung dafür ist, dass man mind. einen Monat angestellt war oder zwei Wochen ohne Unterbrechung gearbeitet hat). Danach springt die Krankenkasse ein. Das Krankengeld beträgt 80% des Lohns oder Gehalts. Wer keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung hat, bekommt das Krankengeld ab dem zweiten Krankheitstag ausbezahlt.